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Tennis
Veranstalter TC Boehringer Ingelheim meistert verregnetes Tennis-Wochenende

Der Blick von Spielern, Trainern, Eltern und Verantwortlichen ging an diesen drei Tagen immer wieder nach oben: Das wechselhafte Wetter mischte die Jugendmeisterschaften des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende so auf wie schon lange nicht mehr. Mehrfach musste das Turnier aufgrund von wolkenbruchartigen Regenfällen teilweise auch begleitet von Blitz und Donner unterbrochen werden. Zum Auftakt blieb sogar nur der Wechsel unters Hallendach. Organisatorisch eine Herausforderung, spielerisch aber überzeugten Favoriten und Herausforderer wie gewohnt mit sehenswerten Ballwechseln. Auf der Anlage des TC Boehringer Ingelheim kämpften rund 150 Kinder und Jugendliche um die Titel in den Altersklassen U16, 14, 12 weiblich und U18, 16, 14, 12 männlich. Fair und engagiert. Edgar Helm, Jugendwart des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz (TVRP), war zufrieden: „Die Teilnehmerzahl war etwas geringer, weil wir auch ohne die U10 gespielt haben. Aber alle Spielerinnen und Spieler, die dabei waren, haben tolles Tennis gezeigt.“

Das galt nur phasenweise für Leandro Toledo. Der Topfavorit der U18-Junioren tat sich schwer an diesem Turnierwochenende. „Die harte Saison hat an mir gezerrt“, gestand der 18-Jährige vom Sportpark Windhagen, nachdem er den Matchball gegen seinen langjährigen Trainingspartner Daniel Leitner (Andernacher TC) zum 4:6, 6:4, 7:6-Erfolg verwandelt hatte. Eine Woche zuvor war dieses Duell bei den Rheinland-Jugendmeisterschaften noch zu Gunsten Leitners ausgegangen, der in Ingelheim mit klaren Zwei-Satz-Siegen ins Finale eingezogen war. Anders der Topfavorit. Dass Toledo überhaupt Revanche nehmen konnte, stand im Viertelfinale auf der Kippe. Die aktuelle Nummer 140 in der deutschen Herrenrangliste stand gegen Felix Tripp (TSC Mainz) völlig neben sich, rettete aber ein 7:5, 7:5 und erkämpfte sich später auch den Titel.

Viel Lob für einen starken Auftritt durfte sich Constantin Schmitz (Andernacher TC) abholen: Clever, geduldig, variabel. Der an Position eins gesetzte Titelkandidat unterstrich bei den U16-Junioren seine Überlegenheit in überzeugender Art und Weise. Der mehrfache Deutsche Jugendmeister gab auf dem Weg ins Finale nur zwei Spiele ab und zeigte auch im erwarteten Endspiel gegen den an Zwei gesetzten Jan Choinski (TC Oberwerth Koblenz), dass er sich für die Titelkämpfe etwas vorgenommen hatte. Choinski hatte zuvor im Viertelfinale einen Krimi  überstehen müssen, als er beim 6:3, 4:6, 7:6 gegen Ryan Frankel (TC SW Montabaur) schon kurz vor dem Aus stand. Im Finale wehrte sich der Herausforderer nach Kräften, musste sich in einem sehr ansprechenden Finale aber einem bestens aufgelegten Schmitz, der immer wieder mit hohen Bällen über die Rückhand und eingestreuten Stopps das Powertennis Choinskis verhinderte, klar geschlagen geben. Beim 4:2 für Schmitz im ersten Satz hatte Choinski bei eigenem Aufschlag die Chance noch mal ranzukommen. Doch mit zwei Doppelfehlern gab der erst 14-Jährige dem ein Jahr älteren Favoriten die Chance davonzuziehen. Schmitz ließ sich nicht lange bitten, spielte einen grandiosen Stopp und erhöhte auf 5:2. Der Knackpunkt auf dem Weg zum 6:2, 6:1-Erfolg.

Niclas Weiler (TC Mühlheim-Kärlich) nutzte seine Chance und feierte nach einem spannenden Finale gegen Moritz Morgenroth (TC SW Ürzig) den Titel bei den U14-Junioren. Während der topgesetzte Lukas Buth (TC RW Kaiserslautern) sich überraschend schon im Viertelfinale verabschieden musste, zog die Nummer Zwei der Setzliste lange Zeit unaufhaltsam seine Kreise. Weiler überzeugte durchweg durch glatte Zwei-Satz-Siege. Erst Morgenroth knöpfte dem Titelkandidaten im Finale einen Satz ab. Doch Weiler kämpfte sich zurück und jubelte nach dem 1:6, 7:5, 7:6 über den Turniersieg. Den erwarteten Favoritensieg ließ sich Nicolas Mayr (BASF TC Ludwigshafen) bei den U12-Junioren nicht nehmen. Das Talent aus der Pfalz war seinen Konkurrenten in jeder Hinsicht überlegen, erst Herausforderer Jan Paul Simon (Andernacher TC) machte es dem Favoriten im Finale dank einer starken Leistung etwas schwerer. Mayr blieb aber wach und holte sich per 7:5, 6:3-Erfolg letztlich sicher den Titel.

Deutlich länger zittern musste Michelle van Lier (TSC Mainz) ehe ihr Turniersieg bei den  U16-Juniorinnen fest stand. Die 13-jährige Spielerin war in dieser höheren Altersklasse an Position eins gesetzt und galt schon vorher als heiße Kandidatin auf den Titel. Eine Einschätzung, die van Lier in den ersten Runden durchweg bestätigte. Auch im Finale gegen Kathleen Schultz (TC SW Bad Dürkheim), die im Viertelfinale in drei Sätzen mit Rebecca Rieger (Andernacher TC) die Nummer zwei der Setzliste ausgeschaltet hatte, schien van Lier bis zur 5:2-Führung das Match sicher zu diktieren. Doch Schultz ließ sich nicht so einfach abschütteln, wehrte mehrere Satzbälle ab und kämpfte sich zurück. Dann die Schrecksekunde bei 5:4: Michelle van Lier sprintete zu einem Ball, blieb mit dem Fuß seitlich hängen und knickte um. Doch die junge TSC-Spielerin, die in dieser Saison ihr Debüt in der Oberliga gegeben hatte, biss im längsten Endspiel dieser Meisterschaften die Zähne zusammen. 7:5, 4:6, 7:6 – am Ende war van Lier einfach nur glücklich. „Der Fuß hat weh getan, aber ich wollte das unbedingt durchziehen und gewinnen.“

Ähnliche Nehmerqualitäten bewies auch Janina Berres (Sportpark Simmern) bei ihrem Erfolg in der Konkurrenz der U14-Juniorinnen: Die an eins gesetzte Titelkandidatin war relativ mühelos ins Finale eingezogen und schien sich zunächst auch von Sarah Kraus (TSC Mainz) nicht aufhalten zu lassen. Berres diktierte das Geschehen und ließ Kraus nie in deren sicheres Spiel finden. Bis zum 6:2, 2:0. Doch eine muskuläre Verletzung im Oberschenkel brachte Berres  völlig raus. Kraus, die im Viertelfinale beim 5:7, 6:2, 7:6 über Michelle Karbach (TC Mühlheim-Kärlich) die bis dahin größte Hürde zu nehmen hatte, witterte nun ihre Chance und zog bis zum 5:2 davon. Doch als alle einen dritten Satz erwarteten, kämpfte sich Berres trotz Schmerzen zurück und Kraus so zunehmend mit den Nerven. Und so jubelte nach dem 6:2, 7:5 doch noch die Spielerin aus Simmern über den Titel.

In einer Neuauflage des Vorjahresfinals trug sich eine neue Spielerin in die Siegerliste der U12-Juniorinnen ein: Luisa Müller (Andernacher TC), die sich 2009 noch der damaligen Überraschungsmeisterin Livia Kraus (TSC Mainz) geschlagen geben musste, ließ sich diesmal nicht aus der Ruhe bringen. Müller war die aktivere Spielerin, Konterspielerin Kraus, die im Halbfinale die an eins gesetzte Mitfavoritin Sophie Maier (TC WR Speyer) 4:6, 6:3, 7:6 ausgeschaltet hatte, konnte nur im ersten Satz dagegen halten -  danach setzte sich das aggressivere Spiel Müllers beim 7:5, 6:1-Sieg durch.  


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