| 04. September 2010
Feierliche Matinee des Landessportbundes im Kurfürstlichen Schloss in Mainz

Zum 60-Jahre-Jubiläum bilanzierte LSB-Präsidentin Karin Augustin: „Wenn alle in dieselbe Richtung rudern, gemeinsam in die Pedale treten, Geschlossenheit und Teamgeist zeigen, dann wird der Sport und der LSB das sein, was er sich mit seinem Motto auf die Fahnen geschrieben hat: Fit für die Zukunft.“ (Fotos: Haro Heide)
Der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz feierte Geburtstag, und rund 320 Gäste folgten der Einladung ins Kurfürstliche Schloss in Mainz. Im Rahmen einer feierlichen Matinee am Samstagmorgen beging die Dachorganisation des rheinland-pfälzischen Sports ihren 60. Jahrestag.
Am Anfang der LSB-Geschichte standen gerade mal 389,81 Deutsche Mark zu Buche. So viel betrug der erste LSB-Haushalt. Doch in den sechs Jahrzehnten nach seiner Gründung am 4. September 1950 in Bingen hat sich der Landesportbund zur Dachorganisation des rheinland-pfälzischen Sports entwickelt, die aktuell die Interessen von mehr als 1,5 Millionen Mitgliedern in knapp 6.300 Vereinen vertritt. „Hinter uns liegen 60 ereignisreiche Jahre, in denen sich der Sport in unserem Bundesland rasant entwickelt hat“, sagte LSB-Präsidentin Karin Augustin in ihrem Festvortrag. „In diesen 60 Jahren ist der Sport vor immer neue Herausforderungen gestellt worden und hat diese bis heute erfolgreich gemeistert.“

Unter den ersten Gratulanten: Ministerpräsident Kurt Beck.
Unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ gab der LSB in Mainz einen historischen Rückblick – anhand von Interviews mit Zeitzeugen, einer Ausstellung mit zeitgeschichtlichen Dokumenten und Exponaten und einem Filmbeitrag. Untermalt wurde das Programm von auftretenden Sportgruppen und Musik-Ensembles.
„Mit der Gründung des LSB wurde damals ein Zeichen gesetzt“, erklärte Ministerpräsident Kurt Beck in seinem Grußwort. „Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Sport nicht mehr verlängerter Arm einer politischen Ideologie sein, sondern sich eigenständig und freiheitlich organisieren können.“ Karin Augustin, die erste Präsidentin der LSB-Geschichte, gab einen Überblick über sechs Dekaden Sport in Rheinland-Pfalz – beginnend bei den Anfängen unter dem ersten Vorsitzenden August Zeuner über die 60er-Jahre, in denen der LSB erste internationale Sportpartnerschaften gründete. In den 70er-Jahren ergriff die Trimm-Dich-Bewegung das Land, im folgenden Jahrzehnt durchbrach der LSB die Millionengrenze und zählte erstmals über eine Million Mitglieder. In den 90ern folgten das Projekt „Sport für alle – Sport mit Aussiedlern“ oder das Kooperationsmodell „Sport in Schule & Verein“, ehe sich der LSB neuen gesellschaftlichen Herausforderungen annahm und auch heute noch annimmt, beispielsweise der Integration ausländischer Mitbürger und sozial benachteiligter Menschen oder Angebote im Gesundheitssports, um nur einige zu nennen.
Ministerpräsident Kurt Beck sagte dem LSB für diese und andere Aufgaben weiterhin die Unterstützung zu. „Die Politik schafft die Rahmenbedingungen, in der Gewissheit, dass nicht nur die gefördert werden, die im Fernsehen zu sehen sind, sondern auch die sportbegeisterten Menschen in den Vereinen.“ Ein Hauptanliegen des LSB ist seit jeher neben der Leistungssportförderung die Unterstützung des Breitensports.
Lob für das Geburtstagskind gab es auch von Julia Klöckner, CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin: „Von Rheinland-Pfalz sind im Sport immer schon wichtige Impulse ausgegangen.“ Für diese Impulse stand lange Jahre Willi Klein, der von 1960 bis 1984 der erste Hauptgeschäftsführer des LSB war. Im Interview erinnerte er etwa an die 1973 eingeführte Ausbildung zum Organisationsleiter, dem heutigen Vereinsmanager. Der LSB Rheinland-Pfalz sei damals Vorreiter gewesen. „Zwei Jahre später hat diese Ausbildung der Deutsche Sportbund von uns übernommen“, sagte Klein. Pionierarbeit leistete Rheinland-Pfalz ebenso mit dem Sportfördergesetz 1975, das den Vereinen die kostenlose Nutzung kommunaler Sportstätten garantierte. „Das ist bis heute bundesweit einmalig“, so Klein.
Er berichtete zudem von der größten Enttäuschung seiner Amtszeit. Vor Olympia 1980 in Moskau plante der LSB, ein Buch zu den Spielen herauszubringen. Dann folgte der Olympia-Boykott der westlichen Nationen, die Pläne fürs Buch wanderten in den Papierkorb.
Zum 60-Jahre-Jubiläum hat der LSB mit finanzieller Unterstützung von Lotto Rheinland-Pfalz nun ein neues, zeitloses Buch herausgegeben: „Träume, Tränen und Triumphe“ gibt auf 400 Seiten einen Überblick über alle rheinland-pfälzischen Sportlerinnen und Sportler, die bei den Olympischen Spielen der Nachkriegszeit an den Start gingen. Ein umfassendes Werk, für das renommierte Sportjournalisten aus Rheinhessen, der Pfalz und dem Rheinland mit vielen Athleten gesprochen haben.

Zeitzeugen im Interview mit Moderator Christian Döring(v.l.): der erste LSB-Hauptgeschäftsführer Willi Klein und Karl Schmidt, langjähriger Abteilungsleiter im Ministerium des Innern und für Sport, Ex-Zehnkämpfer Guido Kratschmer und der ehemalige Hockey-Nationalspieler Heiner Dopp.
Bei der LSB-Matinee in Mainz kamen einige dieser ehemaligen und aktuellen Spitzensportler in Interviewrunden mit Moderator Christian Döring zu Wort. So erzählten die früheren Olympiateilnehmer Prof. Erich Fuchs (Sprint), Dr. Franz Josef Kemper (800 Meter), Werner Schröter (Ringen), heute LSB-Vizepräsident Leistungssport, Guido Kratschmer (Zehnkampf) und Heiner Dopp (Hockey) von ihren sportlichen Höchstleistungen. Aktuelle Sportstars wie Sprinterin Marion Wagner, Paralympics-Sieger Wojtek Czyz und Fechter Peter Joppich sprachen über die Vorteile der rheinland-pfälzischen Spitzensportförderung. Wagner etwa habe sich „immer auf den LSB verlassen“ können, auch als sie vor vier Jahren wegen einer Bandscheiben-Operation ausfiel.
Durch die Sportler war der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart gespannt. Beim Blick in die Zukunft ist Karin Augustin sicher, dass der LSB „auch alle neuen gesellschaftlichen Herausforderungen meistern wird.“ Die LSB-Präsidentin blieb in der Sportlersprache und bilanzierte: „Wenn alle in dieselbe Richtung rudern, gemeinsam in die Pedale treten, Geschlossenheit und Teamgeist zeigen, dann wird der Sport und der LSB das sein, was er sich mit seinem Motto auf die Fahnen geschrieben hat: Fit für die Zukunft.“












