Werkwoche der Landesarbeitskreise Kirche und Sport 2007

Saarbrücken. „Werte im Sport“: ein gleichzeitig ansprechendes, aber auch umfassendes Thema stand im Mittelpunkt einer Werkwoche in der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken.

Günter Kleemann, Friedhelm Jakob, Ralf Neuschwander und Rainer Mäker (v.l.).

Gestalteten von Seiten des Landesarbeitskreises Kirche und Sport die Werkwoche in Saarbrücken (v.l.) Günter Kleemann, Friedhelm Jakob, Ralf Neuschwander und Rainer Mäker. (Foto: J.H. Driessen)

In ihren Eingangsstatements gingen die Referenten und Referentinnen zu Beginn der Werkwoche auf die umfassende Sicht und Problematik des Themenbereichs Wertevermittlung im Sport ein. Jedoch wolle man nicht in der Theorie verharren und bei Definitionen bleiben, sondern praxisorientiert arbeiten. „Ziel ist der Übungsleiter und Trainer, der Anleitender und Vorbild ist.“ Den Auftakt machte Prof. Dr. Eike Emrich, Lehrstuhl für die Sozialwissenschaften des Sports an der Universität des Saarlandes, der auf der Basis einer Ordnungsethik Klärung schaffen wollte und eine Reihe von Anregungen für die Diskussion gab. Insbesondere die Verquickung von Werten und ökonomischen Interessen bzw. deren Zusammenspiel regte zur Diskussion an. Welche Ethik mit welchen Werten und Normen bestimmen das Handeln im Sport, nicht allein im professionellen Bereich? Emrich machte aber auch deutlich, dass die „permanente Forderung nach Moral“ zur Erosion führe: „Die Kraft, die das Gute will, fördere das Böse.“ Für ihn habe aber der Sport die Chance, ein überprüfbares Rahmensystem mit Sanktionsmechanismen zu schaffen.

Michael Kühn, Pfarrer in Landstuhl und Geistlicher Beirat im DJK-Sportverband Bistum Speyer, stellte seinen Beitrag unter den Titel „Fallen Werte vom Himmel?“ Er verdeutlichte, dass sich Werte nicht aus sich selbst ergeben, sondern Produkt einer Weltanschauung seien. Dabei wies er auf die Gefahr hin, dass der Sport verzweckt oder funktionalisiert werde von weltanschaulichen Systemen. Eine Ethik des Sports lasse sich besonders gut um den Wert „Fair play“ entwickeln. Von immens pädagogischer Bedeutung ist die Frage, ob wir im Sport reine Techniken vermitteln oder ob der Mensch mit seinen Entfaltungsmöglichkeiten im Mittelpunkt stehe.

Andreas Hoffmann, Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen, stellte seine aktuellen Studien zur Vermittlung und Wirkung pädagogisch relevanter Normen in Schul- und Vereinssport sowie zum Einfluss verschiedener Sozialisationsagenten im Sport vor. Er erfasste wahrgenommene normative Erfahrungen bei den Normempfängern, also bei tausenden Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren selbst. Dabei stellte sich heraus, dass bei Frauen als Bezugspersonen Normen stärker wahrgenommen werden. Schulsportlehrer und Spitzensportler beeinflussen signifikant weniger als Trainer, Übungsleiter, Betreuer und Eltern. Dabei spiele deren schulische Bildung eine zu vernachlässigende Größe. Hoffmann ermutigte mit Blick auf das Ziel der Werkwoche auch bei der Ausbildung in den entsprechenden Verbänden an zu setzen.

Maria Katharina Moser, Assistentin am Lehrstuhl für Sozialethik und Praktische Theologie an der Universität des Saarlandes, referierte zum Thema „Leibsorge. Sport als praktisch-pastorale Herausforderung“. Sport ist für sie Praxis der Identitätsbildung, wobei sie den Freizeit- und Breitensport in der Hauptsache betrachtete. Im Sport werden Kontrast- und Sinnerfahrungen ermöglicht, die pädagogisch wertvolle Beiträge beim Erwachsen werden ermöglichen. Die je persönliche Leistung ist dabei der Maßstab.

Belinda Spitz-Jöst, Pfarrerin und Kampfkünstlerin aus Speyer, suchte die Annäherung „Christliche Ethik und Ethik der Kampfkünste“. Sie zeigte Analogien auf, wies aber auch auf entscheidende Unterschiede hin. Während im Christentum der Mensch als Ebenbild Gottes, als Individuum, im Mittelpunkt stehe, steht im Zentrum des fernöstlichen Denkens die Gruppe, die Gemeinschaft. Auch wirft die Gewalt in der Kampfkunst Fragen auf.

Friedhelm Jakob, Dekan im protestantischen Kirchenbezirk Speyer und Vizepräsident des Pfälzer Handball Verbandes, berichtete über dieses Spannungsfeld als Seelsorger und Funktionär aus seiner persönlichen Perspektive. Er spannte den Bogen Regeln – Gebote – Fairneß und verwies auf den Perspektivenwechsel, der ihm stets neue Eindrücke vermittle

In Arbeitsgruppen wurden die Ergebnisse gesichert. Die Ergebnisse der Werkwoche können in der Dokumentation (PDF / 2,7MB) nachgelesen werden.

Neu ist auch die Handreichung (PDF / 4,1MB) für Übungsleiter, Trainer und Sportlehrer "Werte im Sport", die viele Spiele und Praxistipps zur Wertevermittlung im Sport bereit hält. Die Handreichung kann kostenlos über den Landessportbund angefordert werden.


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