| 08. Mai 2008
6. Schulsportwoche des Aktionsbündnisses Schulsport hatte die „Bewegte Schule“ zum Hauptthema
Jimmy Little hatte seine Zuhörer fest im Griff. Sie lauschten seinem Vortrag im Atrium des Staatlichen Eifel-Gymnasiums Neuerburg gespannt. Etwa so lange, wie eine Schulstunde dauert - 45 Minuten. Dabei waren es nicht nur die Worte, die dafür sorgten, dass die Ehrengäste der 6. Schulsportwoche des Aktionsbündnisses Schulsport des Landessportbundes Rheinland Pfalz am Ende des Vortrages begeistert applaudierten. Jimmy Little baute in sein Referat Bewegung- und Entspannungsübungen ein. Diese sollten die Aufmerksamkeit und damit das Interesse an der Thematik aufrechterhalten. Jimmy Little, Diplomtrainer des Deutschen Olympischen Sportbundes und Bildungsreferent für die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, sprach zu dem Thema „Bewegung und geistiges Lernen“.

Jimmy Little beklagte in seinem Vortrag die schlechte Konzentrationsfähigkeit der Jugend, verbunden mit einem Mangel an Bewegung.
Dabei wurde den rund 200 Zuhörern schnell klar: Dies sollte kein Thema sein, das ausschließlich auf den Sportunterricht beschränkt ist. Bewegtes Lernen sollte Inhalt einer jeden Schulstunde und Auftrag eines jeden Lehrers sein mit dem Ziel, der Lernergebnisse der Lernenden zu verbessern.
„Die Konzentrationsschwäche ist eine hervorstechende Eigenschaft unserer Schülerinnen und Schüler“, sagte Little. Der Referent machte dafür vor allem das veränderte Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Dieses sei nicht mehr vorrangig durch Bewegung und Sport, sondern durch ein hohen Fernseh- und Computerkonsum gekennzeichnet. Little präsentierte wissenschaftliche Studien, wonach bei geistiger Beanspruchung und gleichzeitigem Sitzen die Konzentration nach 30 Minuten stark nachlässt. „Und wie sieht die Schulwirklichkeit aus?“, fragte Little provokant. „In den letzten 15 Minuten werden die Ergebnisse einer Stunde zusammengefasst. Höchste Konzentration wird von den Schülern zu einem Zeitpunkt gefordert, wo dies nicht mehr möglich erscheint. In diesem Zusammenhang nannte Jimmy Little auch die fünfte und sechste Schulstunde den „Friedhof der Konzentration“. Zeiten, die oft mit Hauptfächern belegt sind, in denen oft Klassenarbeiten geschrieben werden, Zeiten, die eine geistige Frische von den Schülerinnen und Schülern abverlangen. So sei es nur folgerichtig, in jede Schulstunde einfache Bewegungsübungen einzubauen, die letztlich nur das eine Ziel haben, die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu verbessern und damit die Konzentrationsfähigkeit zu steigern.
Wie sieht aber die Schulwirklichkeit aus?
Um diese Frage sollte die anschließende Diskussionsrunde kreisen. Vera Reiß, Staatsekretärin im Ministerium für Bildung. Weiterbildung, Jugend und Kultur, sieht es als eine Aufgabe der nächsten Jahre an, das Klima für eine bewegungsfreudige Schule zu schaffen. „Wir arbeiten daran, dass wir noch mehr Bewegung in die Schule bekommen, wir müssen unsere Lehrkräfte verstärkt dafür sensibilisieren“, sagte Reiß. Eine Lehrkraft, die es aus eigenem Antrieb geschafft hat, die Bewegte Schule Wirklichkeit werden zu lassen, ist Birgit Feilen. Die Lehrerin ist kommissarische Leiterin der Grundschule Schweich und arbeitete zuvor an der Grundschule Daun. „Wir haben in Daun die tägliche Sportstunde eingeführt“, berichtete Feilen stolz. Auch in den anderen Fächern sei der bewegte Unterricht mittlerweile Alltag. „Auch in Schweich sind wir dabei, ganz viel auf den Weg zu bringen.“
Nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Schulelternsprechers Ralf Quirbach sind die Beispiele Daun und Schweich eher die Ausnahme als die Regel. Er beklagt das „traditionelle Bild der Schule“. Quirbach über Kinder mit Konzentrationsschwächen. „Man ärgert sich über das Kind das wegdämmert, aber man weckt es nicht auf.“
Der Rektor des Staatlichen Eifelgymnasiums, Dr. Günter Scheiding, räumte ein, dass es im „normalen Unterricht“ sehr wenig Bewegung gebe. Er werde die Aktionswoche allerdings zum Anlass nehmen, die bewegte Schule im Unterricht zu diskutieren.
Für Thomas Bartholomé (Abteilungsleiter Schulen von der ADD Trier) war die „Bewegte Schule“ bisher kein großes Thema. Die größte Herausforderung sieht Bartholomé darin, etwas „in den Köpfen der Lehrer zu bewegen.“ Angesichts der Forschungsergebnisse sei man nun über das „Stadium der Lächerlichkeit“ hinaus, die Problematik sei erkannt und müsse nun bearbeitet werden.

Sport und Bewegung im Schulalltag. Dies war das Thema der Podiumsdiskussion.
So appellierte auch der Vizepräsident des Sportbundes Rheinland, Günter Berg, an die anwesenden Sportlehrer, die „Bewegte Schule“ an ihrer Einrichtung verstärkt zu diskutieren. Ein erster Schritt könnte sein, so Berg, konsequent für eine sinnvolle Platzierung der Sportstunden im Fächerkanon einzutreten – damit auch deren Effekt voll zum Tragen komme.
PDF-Dateien zu "Sport im Ganztag" zum Download
- Broschüre "Sport im Ganztag"
- Flyer "RegioBiG"
- Rahmenvereinbarung zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und dem Landessportbund Rheinland-Pfalz
- Dienstleistungs- und Kooperationsvertrag "Sport im Ganztag"
- Dokumentation zur Veranstaltung Herausforderung Ganztagsschule und Sportverein, 21.1.2011
- Dokumentation zur Veranstaltung Herausforderung Ganztagsschule und Sportverein, Teil 2
- Zeitschiene Referat Schulsport
- Vortrag Thieme "Zum Stand der sportrelevanten Forschung zu Ganztagsschulen"
- Vortrag Rupp "Ganztagsschule - zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie..."
- Anmeldebogen Fortbildung Ganztag 2012



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