Sport stand ganz oben auf dem Stundenplan
| 02. Juni 2010
Siebte LSB-Schulsportwoche in Koblenz mit mehr als 3.600 Schülerinnen und Schülern
Drei Tage lang Sport als Hauptfach – für mehr als 3.600 Schülerinnen und Schüler stand bei der siebten LSB-Schulsportwoche in Koblenz Sport ganz oben auf dem Stundenplan. 38 Schulen nahmen an der Großveranstaltung des Aktionsbündnisses Schulsport des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz teil. Ausrichter war das Gymnasium auf der Karthause, eine von zwei Eliteschulen des Sports in Rheinland-Pfalz.
Julius treibt gerne und regelmäßig Sport. Der 15-Jährige spielt Volleyball beim TV Lützel, und auch sonst hat der Schüler des Koblenzer Gymnasiums auf der Karthause schon viel ausprobiert. Aber Wassertragen, Bogenschießen oder Streichholzwerfen – „das war auch für mich was vollkommen Neues.“ Wie er durften mehr als 3.600 Schülerinnen und Schüler bei der siebten Schulsportwoche in Koblenz drei Tage lang ausprobieren, wonach ihnen der sportliche Sinn stand.
Hatten sichtlich Spaß an den unterschiedlichen Sportangeboten: Die Kinder der 38 teilnehmenden Schulen bei der Koblenzer Schulsportwoche am Gymnasium auf der Karthause. (Fotos: P. Karges)
Bei zentralen Wettbewerben in traditionellen Sportarten konnten sich die Schulmannschaften messen, zudem luden die teilnehmenden Schulen zu fächerübergreifenden und ausgefallenen Sportangeboten. Die Layer Grundschule etwa hatte einen Dschungel-Bewegungsparcours aufgebaut, die Haupt- und Realschule auf der Karthause verwandelte sich in schottisches Hochland. Bei den „Highland Games“ standen Baumstammweitwurf, Armbrustschießen oder Steinstoßen auf dem Programm. „Wir haben die vielen unterschiedlichen Facetten, die der Sport bietet, aufgezeigt“, erklärte Günter Berg, LSB-Vizepräsident Bildung und Erziehung und Sprecher des Aktionsbündnisses. „Die Schulsportwoche war ein fantastischer Erfolg.“
38 Schulen hatten sich zur siebten Auflage der Schulsportwoche angemeldet. „Zuerst waren wir wegen der hohen Teilnehmerzahl etwas erschrocken, doch es wurden drei wunderbare Tage“, sagte Berg. Dass Sport in der Schule wirklich wichtig ist, findet auch die 10 Jahre alte Viktoria. Die Fünftklässlerin besucht die Sportklasse auf der Karthause. „Durch Sport bleibt man fit und hält sich gesund. Ohne Sport wird man schlapp.“ Einige ihrer Freundinnen seien nicht wirklich sportlich aktiv. „Es gibt eben den sportlichen Typ und den Wissenschaftstyp.“

Der dreimalige Fecht-Weltmeister im Interview mit dem Mathelehrer und Moderator der Gala Marcus Kurz. (Foto: J. Dick)
Den „Sport-Muffeln“ widmete sich Prof. Dr. Dr. Leyk in seinem Vortrag mit dem Thema „Heranwachsende im digitalen Zeitalter: Aggressiv, fett und dumm?“ Der Koblenzer Trainings- und Leistungsphysiologe präsentierte erschreckende Zahlen: Demnach sitzen Zweijährige in Deutschland im Schnitt zwei Stunden pro Tag vor Fernseher und Computer. Von den 3,3 Millionen deutschen Vorschulkindern sitzen 800.000 noch um 22 Uhr abends vor der „Glotze“, 200.000 gucken bis 23 Uhr, 50.000 gar bis Mitternacht. „Man muss den Kindern Alternativen bieten“, forderte Leyk. „Hauptsache, sie sitzen nicht vor der Scheibe.“ Er plädierte für mehr Sport im Alltag der Kinder. Schließlich verbringen laut einer Studie Zehnjährige mehr Zeit vor dem Fernseher als in der Schule. „Eines dürfen wir deshalb nicht tun: Nichts“, stellte Leyk fest, ganz nach dem Motto der Schulsportwoche: „Wer sich bewegt, lernt besser.“
Derartige Diskussionsrunden mit Experten aus Bildung und Wissenschaft bildeten neben der Praxis für die Kinder den zweiten Schwerpunkt der Schulsportwoche. Prof. Dr. Jörg Thiele von der Technischen Universität Dortmund beleuchtete unter dem Titel „Mehr Bewegung, bessere Schulen?“ die Auswirkungen einer täglichen Schul-Sportstunde auf die Leistungsfähigkeit der Schüler.
Thiele stellte die Ergebnisse einer Studie vor, bei der zwischen 2005 und 2009 an 25 Projekt-Grundschulen in Nordrhein-Westfalen täglich eine Stunde Sport angeboten wurde. Die Realisierung wurde dabei allein den Schulen überlassen. Positive Effekte zeigten sich besonders bei den Mädchen. „Die Akzeptanz dieser täglichen Sportstunde war bei Schülern und Lehrern sehr hoch“, fasste Thiele zusammen. „Und 80 Prozent der Schulen wollten nach dem Ende der Untersuchung die tägliche Sportstunde weiter anbieten.“
Neben sportbegeisterten Schülern sind qualifizierte Lehrkräfte Garanten für guten Sportunterricht. Aus diesem Grund standen bei der Schulsportwoche in Koblenz zahlreiche Lehrerfortbildungen auf dem Programm, die sich Themen wie Unfallprävention im Schulsport oder spielerischem Krafttraining widmeten. „Die Angebote gingen ein Stück weit weg von den traditionellen Sportarten“, sagte LSB-Vizepräsident Günter Berg.

Die zweistündige Abschlussgala zeigte nochmals alle Facetten des Sports. Von Step-Aerobic über das Zusammenspiel von Sport und Musik, bis hin zu Turnen und Cheerleading. (Fotos: J. Dick)
Das Fazit des Ausrichters fiel denn auch rundum positiv aus. „Das waren drei tolle Tage, bei denen der Sport im Mittelpunkt stand“, freute sich Karthause-Schulleiter Erik Babucke. Er durfte bei der abschließenden Gala neben knapp 20 auftretenden Schulgruppen einen prominenten Ex-Schüler als Ehrengast begrüßen: Der dreimalige Fecht-Weltmeister Peter Joppich wies Gala-Moderator und Mathelehrer Marcus Kurz in die Feinheiten der Fechtkunst ein und gab anschließend zu, „dass die Fächer Kunst und Musik früher nicht gerade zu meinen Stärken gezählt haben“. Zum Sportunterricht sei er immer gerne gegangen. Etwas anderes wäre auch verwunderlich gewesen.
Die nächste Schulsportwoche 2012 findet in Mainz statt, Ausrichter ist das Ganztagsgymnasium Theresianum. Dessen Schulleiter Helmut Schmid übernahm in Koblenz den Staffelstab von Erik Babucke. „In Koblenz wurden Maßstäbe gesetzt“, stellte Schmid fest, „aber wir freuen uns sehr, dass wir der achte Ausrichter der Schulsportwoche sein dürfen.“










