Moderne Sportentwicklung erfordert adäquate Sportstätten

Sportentwicklungsplanung ist eine absolute Notwendigkeit und machbar für große Städte und Landkreise. Vor allem aber auch für kleine Kommunen. Dies war nur eines der Ergebnisse des LSB-Forums „Sport im Wandel – Moderne Sportentwicklung und Sporträume“ Mitte November in Mainz im Haus der IHK Rheinhessen.

LSB-Präsidentin Karin Augustin am Redepult vor Publikum.

LSB-Präsidentin Karin Augustin eröffnet die gut besuchte Veranstaltung und deutet in ihrer Ansprache auf die Wichtigkeit dieses Themas hin.

Vor mehr als hundert fachkundigen Gästen, darunter zahlreiche Vereins- und Verbandsvertreter, Sportkreisvorsitzende sowie Mitarbeiter und Planer aus Stadt- und Kreisverwaltungen und Universitäten waren sich alle Referenten einig: Eine zukunftsfähige Sportentwicklungsplanung, so die Referenten, ist vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach Angeboten für Ältere nach gesundheitssortorientierten Angeboten und dem Wunsch der Bevölkerung die Kinder- und Jugendarbeit in den Vereinen zu intensivieren das wichtigste Mittel, um Sportstätten auf einer tragfähigen Datengrundlage bedarfsgerecht bereitstellen zu können.

„Drängen Sie darauf, dass dieser Prozess auch bei Ihnen in Gang kommt“, forderte DOSB Sportdirektor Andreas Klages die versammelten Vereinsvertreter zur Tat auf. „Sportentwicklungsplanung hilft ihren Anliegen weiter und macht der Politik Dampf“. Im gleichen Atemzug verlangte er aber auch von den Kommunen, dass die Ergebnisse der Erhebungen verbindliche Planungsgrundlage sein müssen, damit sich Sportvereine orientieren können. Die Sportstättenentwicklungsplanung basiert auf Bevölkerungsprognosen, die zusammen mit der Analyse des Sportstättenbestandes und der Sportnachfrage als Grundlage für sport- und kommunalpolitische Entscheidungen vor Ort dienen.

Prof. Dr. Alfred Rütten mit Mikrofon.

Experte in Sachen Sportentwicklung: Prof. Dr. Alfred Rütten (l.) von der Uni Erlangen- Nürnberg.

Prof. Alfred Rütten, renommierter Sportentwicklungsexperte der Uni Erlangen- Nürnberg stellte in seinem Impulsreferat am Beispiel von Daten der Nürnberger Sportentwicklungsplanung beeindruckend fest „Der Sport ist grundlegend im Wandel begriffen. Diese Daten sind durchaus auch allgemein repräsentativ“, führte der Sportwissenschaftler aus.

Dabei war weniger überraschend, dass einzelne Trendsportarten in ihrer Bedeutung weit überschätzt werden (z.B. Skateboard), sondern vielmehr, dass sich das Sporttreiben in weit größerem Maße als angenommen ausdifferenziert und freizeit- und gesellschaftsorientierter abspielt. „Es zeigt sich, dass die Sport treibende Bevölkerung sich nicht nur auf Vereine und Sportanlagen konzentriert, sondern überwiegend selbstorganisiert und außerhalb von Sportanlagen agiert“, folgert Rütten schließlich aus den erhobenen Daten.

Längst ist man auch in den Sportvereinen von der Änderung der Altersstruktur, von Armut, Migration und ökologischem Wandel betroffen. Die Zahlen von Prof Rütten aus Nürnberg stimmen mit der Auswertung der Sportentwicklungsplanungen von Koblenz und Mainz überein. Diese belegen deutlich, wie abhängig sportliche Betätigung von Faktoren wie Bildung, sozialem Status und kulturellem Hintergrund ist.

Mit einer Studie für die Stadt Koblenz stellte Dr. Stefan Eckl (IKPS) ähnliche Daten vor. Auch dort stellt sich die Bevölkerung vor, dass die Kinder- und Jugendarbeit der Vereine intensiviert wird und dass die Vereinsangebote im Freizeitbereich ausgebaut werden. Für Kindergärten und Grundschulen hat sich die Schaffung von Bewegungslandschaften in anderen Kommunen schon bewährt. Gewünscht ist vor allem eine breite Palette der Gesundheitsangebote. Auf die steigende Nachfrage nach Sportangeboten für Ältere ist mit einer Umnutzung bisheriger Sportstätten sowie der Schaffung nach Gesundheitssport orientierten kleineren und multifunktionalen Sporträumen zu reagieren. Wichtig war es für Eckl zu erwähnen, dass die vorgestellten Auszüge nicht am grünen Tisch, sondern mit Hilfe eines lokalen Netzwerkes von Sportvereinen- und Verbänden, Politik, Stadtverwaltung mit verschiedenen Fach-Ämtern, Schulverwaltung und vielen weiteren Akteuren erarbeitet worden ist.

Sportbürgermeister Norbert Schüler am Rednerpult.

Sportbürgermeister Norbert Schüler stellte die Pläne für Mainz vor.

Während Koblenz das erfahrene Stuttgarter „Institut für kooperative Sportentwicklungsplanung“ (IKPS) beauftragt hatte, beschloss der Mainzer Stadtrat, die Erhebungen bei Bevölkerung und Vereinen unter die Regie von Sportbürgermeister Norbert Schüler und dessen sportwissenschaftlichen Mitarbeiter und Baureferenten Jan Fischer in Kooperation mit der Uni Mainz durchzuführen. Die Landeshauptstadt Mainz ist mit der Auswertung der Ergebnisse ihrer Planungen und Erhebungen noch nicht ganz so weit wie Koblenz. Doch steht fest: Die Planungsgrundlagen von Mainz müssen dringend aktualisiert werden. Der letzte Mainzer Sportstättenleitplan von 1973 und nur durch einen digitalisierten Vereinsatlas im Jahre 2002 ergänzt worden. Die letzten zehn Jahre waren sehr ereignisreich. 60.000 Sport treibende und organisierte Vereinsmitglieder in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bestätigen den Ruf als Sportstadt. „Durch Neubauten, Sanierungen und erfolgreiche Verlagerungen von Sportanlagen innerhalb der Stadt konnte eine ausreichende Sportstättenversorgung erreicht werden“, so Norbert Schüler.

Interessanter Kontrapunkt zu den theoretischen Vorstellungen der Planungsmethodik war die Präsentation des neuen Familiensportparks des Idarer Turnvereins.Dieser vermittelte den Anwesenden einen Einblick in die Überlegungen und Anstrengungen eines Vereins an der Basis, der die Anforderungen veränderten Sportverhaltens für seine Mitglieder kreativ umgesetzt hat.

Während der Podiumsdiskussion verneinte DOSB Sportdirektor Klaus Klages die Konstruktion einer Konkurrenzsituation des organisierten Sports mit dem selbstorganisierten Freizeitsport. Er hob damit auch auf die Verteilung von finanziellen Fördermitteln ab. „Durch die Kooperation aller Beteiligten, auch der Lobby des Freizeitsports, bei der Sportentwicklungsplanung wird der Kuchen der Sporttreibenden insgesamt größer“, erklärte der DOSB Sportdirektor. Somit profitieren alle und letztlich kann sich auch der organisierte Sport davon „eine größere Scheibe abschneiden“.


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