LSB-Kuratorium Sportwissenschaft organisierte emotionalen Rückblick auf Peking

Eine besondere Veranstaltung, unter der Leitung seines Vorsitzenden Prof. Dr. Norbert Müller, veranstaltete das Kuratorium Sportwissenschaft des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, mit dem Kooperationspartner „Deutsches Pierre de Coubertin Komittee“, im Oktober.

Namhafte Referenten beleuchteten die Olympischen Spiele von Peking unter verschiedenen Aspekten. Das war sicher auch ein Grund, weshalb über 50 Teilnehmer für zwei Tage nach Edenkoben in die Sportschule des SWFV gekommen waren.

Die so kurz nach den Olympischen Spielen und Paralympics noch frischen Eindrücke sollten genutzt werden, um die sportpolitischen Fragen des Demokratieverständnisses, der Dopingproblematik, der Kommerzialisierung und der olympischen Werte zu diskutieren. Das Kaleidoskop von Vorträgen eröffnete der Direktor des Kölner Sportmuseums, Dr. Christian Wacker, der über die Auffindung der Pferderennbahn im antiken Olympia berichtete. Thema des ersten Blocks war das Ideal Pierre de Coubertins, des Begründers der Olympischen Spiele der Neuzeit, wonach der Weg zum Ziel wertvoller ist als das Ziel selber. Frage war, ob dieses Ideal mit den modernen Ausprägungen und Entwicklungen, denen die Olympischen Spiele unterworfen sind, noch vereinbar ist. SWR-Sportjournalist Holger Kühner leitete die Diskussion von Spitzensportlern.

Zur Stimmung und zum Gastgeber China berichteten die Olympioniken sehr persönlich. Für Selcuk Cetin, erfolgreicher Tischtennisspieler, bekommt China die Goldmedaille als Ausrichter. Manfred Gohres, Coach der Paralympics-Schützen, erzählte dass es für die Rollis keine Barrieren gab. „Sogar die Chinesische Mauer oder die Verbotene Stadt konnte man mit dem Rolli erreichen“. Dr. Angelika Trabert, Mitglied des zweitplazierten deutschen Paralympics Dressur-Teams, empfand besonders die Kameradschaft und Stimmung unter den Athleten bemerkenswert. „Im Bus hielten die Chinesen allerdings erst mal viel Abstand zu den Behinderten. Nach einiger Zeit stellten sie fest, dass wir nicht „gefährlich“ sind. Jost-Schömann Finck, vom Olympia-Vierer berichtete zur verpassten Medaille: „Wir haben uns im Vorlauf leicht für das Halbfinale qualifiziert. Dann sind drei Kameraden krank geworden, auch ich mit 40 Grad Fieber.“

Zur finanziellen Förderung der Olympiateilnehmer gab es sehr dezidierte Aussagen. Die Dressurreiterin und Goldmedaillen-Gewinnerin Hannelore Brenner informierte „Reiten ist eine teure Sportart. Sponsoren wollen allerdings Medieninteresse, da ist im Behindertensport noch viel zu tun.“ Jost Schömann-Finck beklagte, dass die Ruderer zwar Bundes- und Landesförderung erhalten, aber in den nicht olympischen Bootsklassen selbst als Vize - Weltmeister kein Geld erwarten können.

Schwerpunkt des zweiten Symposiumstages war Doping in allen seinen Facetten. Der Sportwissenschaftler Dr. Stephan Wassong, Vorstandsmitglied des Deutschen Coubertin Komittees, legte den Schwerpunkt seines Vortrages auf die soziologisch-moralische Ebene des Themas. Der Herausgeber des renommierten Journal of Olympic History zeigte auf, wie schwer sich das IOC in der Vergangenheit tat, das Dopingproblem in seiner eminent wichtigen Bedeutung und in seinem Potenzial als Gefährdung der olympischen Idee zu akzeptieren. Der Dozent an der Liverpool Hope University sieht die derzeit propagierten Erziehungskampagnen kritisch. Eine Erziehungskampagne, so Dr. Wassong „...muss einhergehen mit strukturellen Veränderungen im Wettkampfbereich, sonst bringt sie wenig.“

Der LSB-Dopingbeauftragte, Dr. Manfred Poigne gab einen ausführlichen Überblick über Praktiken und gängige Dopingmittel und -methoden. Auch er betonte die Bedeutung der Doping-Prävention. Sein Vortrag schloss mit dem dringenden Appell an die Verbände, das Thema Doping noch mehr in den Ausbildungsplänen der Übungsleiter und Trainer zu verankern.

In einem sehr praxisnahen Beitrag stellte Norbert Müller die „sozialen Leistungen“ der vom LSB seit 2002 mit dem Abiturpreis Sport, der Coubertin-Medaille, ausgezeichneten Abiturienten dar. Es ergaben sich interessante neue Gesichtspunkte in der Unterschiedlichkeit und Bedeutung je nach Schulvorschlag. Auf Anregung von Dr. Ulrich Becker vom Heinrich-Heine-Gymasium Kaiserslautern wird ein Katalog von möglichen sozialen Leistungen den Schulen mit der neuen Ausschreibung zur Verfügung gestellt.

Der Seminarleiter stellte den anwesenden Trainern und Funktionären der Vereine und Verbände in Aussicht, das gelungene Symposium als Kooperationsmodell mit dem Deutschen Pierre de Coubertin Komitee mit einer weiteren Veranstaltung fortzuführen.


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