LSB- „Werte-Symposium“  in Trier nahm brandaktuelle Problematik auf

Die Schlussrunde im Grand-Prix von Oesterreich 2002: Barrichello lässt seinen Chef Michael Schuhmacher demonstrativ in der letzten Kurve vorbei! Unglaublich! Michael Schumacher gewinnt hauchdünn vor Barrichello. Pfiffe für Ferrari: Den Fans gefällt die rote Stallregie offenbar nicht sonderlich... Nach der Zieldurchfahrt kommt es zu unglaublichen Szenen: bei der Siegerehrung überreicht Michael Schumacher seinem Teamkollegen Barrichello demonstrativ den Pokal des Siegers und überlässt ihm das Siegertreppchen.

Eike Emrich und Karin Augsutin.

Auszeichnung für besondere Verdienste im Sport: LSB-Präsidentin Karin Augustin verleiht dem Hauptreferenten Prof. Eike Emrich die Ehrenplakette des Landessportbundes. ( Foto: H. Riederer)

Was hat dieses Beispiel, dass Prof. Eike Emrich vortrug, mit olympischen Werten zu tun. Ganz einfach.  Die Chancengleichheit, die herausragend wichtige Voraussetzung für einen interessanten Wettkampf, wurde durch die Stallregie von Ferrari außer Kraft gesetzt. Machte dies Schule wäre ein spannender Sportwettbewerb, das Salz in der Suppe, nicht mehr möglich!  Dies war nur ein verblüffend einleuchtendes Beispiel, welches Eike Emrich in seinem vom ersten bis zum letzten Wort spannenden Vortrag anführte um die Polarität zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen den hehren Worten und Werten und der Realität eines auf Kommerz und Sieg ausgerichteten Sportbetriebes deutlich zu machen. Schlimmer als Stallregie zerstört Doping die Ästhetik des sportlichen Wettkampfes, so Eike Emrich, der nach seinem Vortrag für seine umfangreichen Verdienste um den Sport in Rheinland-Pfalz und bundesweit von LSB-Präsidentin Karin Augustin ausgezeichnet wurde.

Der Impulsvortrag des erst kürzlich zurückgetretenen ehemaligen Vizepräsidenten Leistungssport im Deutschen Leichtathletikverband, war der Auftakt einer allgemein als notwendig anerkannten und von der umfangreichen Zuhörerschar begrüßten Diskussion um die Zeitgemässheit und die Möglichkeiten und Grenzen der Vermittlung von olympischen Werten. Die Internationalität des Symposiums und die Sicht über den Tellerrand der nationalen Erfahrungen hinaus wurde durch die Teilnahme von Vertretern der Kooperationspartner  Pierre-de-Coubertin Komittee und des Europäischen Sportpools aus Ungarn, Belgien, Frankreich und Luxemburg sicher gestellt.

Auch wenn das Thema Wertevermittlung seit Jahren gegenwärtig ist, Entwicklungen in der Schule, im Verein  sowie ganz allgemein in der Gesellschaft machen deutlich, dass ein Werteverlust weiterhin zunehmend zu beobachten ist. Streng genommen gehen allerdings nicht die Werte verloren, sondern vielmehr ihre Akzeptanz als Leitlinien für individuelles Handeln. Das Symposium zeigte den Teilnehmern Wege auf, wie diese Akzeptanz durch entsprechende Vermittlungsprozesse zurück gewonnen werden kann.

Peter H. Nissen, ehemals zuständig für alle Gymnasien in Niedersachsen und jetzt Coach für Führungskräfte, machte in seinem Referat deutlich, dass zwei Prinzipien des Lernens im Fokus der Betrachtung, gerade auch für die Vermittlung von Werten in Schule und Verein stehen; Einerseits Handlungsorientierung sowie Eigenständigkeit des Lernenden, andererseits die zentrale Bedeutung positiver Emotionalität in den jeweiligen Lernphasen.

Die jüngsten Erkenntnisse der Hirnforschung haben die hohe Bedeutung dieses Prinzips für alle Formen des Lehrens und Lernens dargestellt, so Nissen. Für die Teilnehmer war dies für die nachfolgende Gruppenarbeit ein wichtiger Aspekt.

Sechs Menschen stehen vor einer Schautafel.

Auswertung an der Pinnwand: Prof. Norbert Müller (Mitte), Vorsitzender des LSB-Kuratoriums Sportwissenschaft, in der Diskussion mit Teilnhemern. (Foto: D. Mouret)

In der Gruppenarbeit ging es darum, typische „Werte-Verletzungen“ des Fair Play, der gegenseitige Achtung, der Integration und Toleranz anhand von Fallbeispielen in den Blick zu nehmen, mit dem eigenen Erfahrungsbereich abzugleichen und anschließend gemeinsam (in der Kleingruppe) Lösungswege und damit verbundene Strategieüberlegungen zur Wertevermittlung zu entwickeln. Ein umfangreiches Themenspektrum vom Missbrauch leistungssteigernder Substanzen zur Fragwürdigkeit des „Schneller – Höher – Weiter“ bei Olympia, von Teamgeist und Motivation zum langjährigen Sporttreiben über Fair - Play und den Einfluss des Lehrenden darauf bis hin zur Kommerzialisierung des Sports fand lebhaften Anklang.

Die Auswertung der auf Pinnwänden festgehaltenen Gruppenergebnisse führte zu lebendigen Diskussionen mit den Moderatoren Robert Marxen, den Professoren Dr. Norbert Müller und Dr. Randolph Ochsmann, Peter H. Nissen, Siggi Käufer, Helmut Loenenbach und Kurt Rathmes.

Der zweite Tag des Symposiums fand in der Sporthalle Trier-West an der Eurener Straße statt, wo Studiendirektor Siegfried Käufer anhand des Handballspiels aktiv klarmachte, wo Werte vermittelt werden und wo sie verletzt werden können. In Rollenspielen wurden zum Bespiel an die jeweils gegnerische Mannschaft Aufgaben verteilt, die zu verblüffenden Ergebnissen führten.

Eine nicht engagierte und lustlose Mannschaft vergällt ihrem Gegner Spiel und Sieg. Streit im eigenen Team bringt Sand ins Getriebe und demotiviert genauso wie übertriebenes Lob für einen Spieler oder Dauerkritik des Trainers.

Siegfried Käufer, Studiendirektor an der IGS in Wörrstadt und Experte für die Vermittlung olympischer Werte im Pierre de Coubertin Komitee, machte, in für diese schweißtreibender Art und Weise, den Lehrern und Übungsleitern klar, dass Wertevermittlung kein Selbstläufer ist. Es bedarf der gründlichen Überlegung und Vorbereitung, den Kindern und Jugendlichen Sinn und Nutzen von zum Beispiel Fair-Play und Toleranz nahe zu bringen.

Robert Marxen, Vorsitzender des Deutschen Pierre-de-Coubertin Komitees und Prof. Dr. Norbert Müller, Vorsitzender des LSB-Sportwissenschafts-Kuratorium und auch leitend in den nationalen und internationalen Fair - Play Komitee’s tätig, dankten den Teilnehmern des Symposiums für die engagierte Mitarbeit während der zwei Tage in Trier und gaben Ihrer Zufriedenheit über die fruchtbare Kooperation von LSB, Coubertin - Komitee und Europäischem Sportpool Ausdruck.


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