| 04. März 2007
Symposium mit Anregungen „Zur christlichen Sicht des Sports“
MAINZ. „Der Sport ist keine Religion. Wir werden uns dem widersetzen, dass er eine Ersatzreligion wird.“ Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), spielte den Theologen, Philosophen und Sportwissenschaftlern beim dreitägigen internationalen Symposium „Zur christlichen Sicht des Sports“ in Mainz den Ball zu. Diese klare Aussage hatte Bischof Josef Clemens, der Sekretär des Päpstlichen Rats für die Laien, zuvor mit der Zielsetzung der Veranstaltung aufgenommen: eine klare Aussage der Katholischen Weltkirche zum Sport für die Zukunft zu erarbeiten. Sie soll als „zweckfreie Hilfe, als Angebot von Antworten auf die drängenden Fragen des modernen Sports ohne Hintergedanken“ und als wichtiger Impuls für das seelsorgerische Wirken verstanden werden.

Wegbegleiter und Gestalteter des dreitägigen Symposiums in Mainz (v.l.): Der Geschäftsführende LSB-Vizepräsident Dieter Noppenberger, der Mainzer Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyer, Bischof Dr. Josef Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für Laien, Prof. Dr. Norbert Müller, Vorsitzender des LSB-Ausschusses Sportwissenschaft und DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach. (Foto Harald Petry)
Offene Partnerschaft von Kirche und Sport
Das hochkarätig besetzte Symposium behandelte anthropologische, theologische und pastorale Aspekte in der offenen Partnerschaft von Kirche und Sport. Die Ergebnisse dienen der weiteren Arbeit der 2004 gegründeten Sektion ‚Kirche und Sport’ im Päpstlichen Laienrat, einer der letzten persönlichen Initiativen von Papst Johannes Paul II., der seine vielfältigen eigenen sportlichen Erfahrungen in seine fast 100 Ansprachen und Beiträge zum Sport eingebracht hat. Sein Wort „Sport ist Zeichen der Zeit“ gilt als klares Bekenntnis zur großen Bedeutung der Werte des Sports für die individuelle Entwicklung, für Frieden und Solidarität, für den Abbau von Ungleichheiten, aber auch als nachdrückliche Warnung vor Fehlentwicklungen bis hin zur Entmenschlichung im Sport.
Unter den vielen Anregungen des Seminars, das von der Wissenschaftlichen Kommission des Arbeitskreises Kirche und Sport der Katholischen Kirche in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Vatikanischen Laien-Rat und dem Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz veranstaltet wurde, gehören Nachfragen zum positiven christlichen Leibverständnis, den biblischen Grundlagen und den Chancen des Sports für die Ortskirchen. Die Kirche soll die Auseinandersetzung mit dem veränderten Lebensgefühl der jungen Menschen und den globalen Herausforderungen des Sports für den Erhalt von Menschenwürde und gegen Instrumentalisierung des Athleten offensiv führen. Dabei sollte – so der Tübinger Ethiker Dietmar Mieth – auch die ökumenische Zusammenarbeit, aber eine „humanistische Allianz“ mit anderen Religionsgemeinschaften, nicht ausgeschlossen sein. Bischof Clemens beurteilte das Mainzer Symposium als einen Meilenstein der neuen vatikanischen Sektion.

Vatikan-Kurienbischof Dr.Josef Clemens (rechts) überreicht Prof. Dr. Norbert Müller, Leiter des Symposiums, als Dank die Pontifikatsmedaille Papst Benedikt XVI.
Als Mitveranstalter des Symposiums dankte der Geschäftsführender LSB-Vizepräsident Dieter Noppenberger insbesondere Prof. Dr. Norbert Müller für seine Initiative zu diesem Symposium. „Wir im Sport sind uns mit vielen Theologen einig und verstehen uns als Partner bei der Gestaltung menschlichen Miteinanders und im Engagement für einen menschwürdigen Sport“, betonte Noppenberger in seinem Grußwort. Dies werde unter anderem durch Werkwochen, Seminaren und in der Begleitung von Großveranstaltungen des Sports in Rheinland-Pfalz mit Teilnehmenden aus dem Sport, den Kirchen und Wegbegleitern dieser Zusammenarbeit umgesetzt, so der LSB-Präsident weiter. Für den Sport sei die christliche Botschaft ein Bezugssystem, aus dem heraus er sich Werte und Orientierung definiere. Noppenberger: „Begriffe wie Gemeinsinn, Engagement, Solidarität, Integration, Sozialisation und Verantwortungsbewusstsein verbinden im Sport verschiedene gesellschaftliche Gruppen, Schichten und Nationalitäten.“ Dies sei für den Sport in Rheinland-Pfalz Auftrag und Verpflichtung zu gleich, die mit dem LSB-Themenjahr 2007 unter dem Slogan „FIT FÜR DIE ZUKUNFT – SPORT VEREIN(T)“ aufgegriffen wird.

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