| 05. September 2009
Spitzensportler des Landes, zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft feiern gemeinsam den 35. Landessportball in der Mainzer Rheingoldhalle
Ein solches Großaufgebot des Spitzensports des gesamten Landes hatte die Rheingoldhalle wohl selten gesehen – und derart sportliche Höchstleistungen gepaart mit Partyfieber und Tanzlaune schon gar nicht. Schwimmer packten zum Golfschläger, Fechter gaben sich zehnkampftauglich, Reiterinnen versuchten sich an der Kletterwand und Leichtathleten am runden Leder – und alle zusammen eroberten die Tanzfläche. Hunderte Sportler trafen sich mit unzähligen Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu einer Ballnacht, die es in sich hatte. Zum 35. Mal hatte der Landessportbund zum Feiern eingeladen, diesmal unter dem Motto „Nacht der Stars“.
Dass diese Devise wörtlich zu nehmen war, davon zeugten nicht nur die vielen Spitzenathleten aus allen Disziplinen, sondern auch das Show- und Musikprogramm des Landessportballs: Die Hits von Boney M., unter anderem „Daddy Cool“ oder „Ma Baker“ kennen schließlich alle, egal ob Jung oder Alt. Tanzbare Musik kam aber auch von der Thilo Wolf Big Band. ZDF-Sportmoderator Norbert König und RPR1-Stimme Lars-Christian Karde taten das Übrige, damit die Stars im Rampenlicht standen; und dass echte Spitzensportler ein solches Motto nicht nur ernst nehmen, sondern gleich in die Tat umsetzen, erklärt sich von selbst.Auch wenn sich die vier Damen nicht ganz zu den Sternen emporsprangen – bis kurz unter die Decke der festlich geschmückten Rheingoldhalle reichte es allemal: Die Stabhochspringerinnen Natascha Benner, Carolin Hingst, Kristina Gadschiew und Anna Battke machten die Rheingoldhalle zur Sportarena und beeindrucken mit einer Show, die jedes Olympiastadion vor Neid erblassen lässt. Sogar eine echte Stadion-Tartanbahn hatten die Organisatoren quer durch die Halle gelegt. Bis in vier Meter Höhe schob sich die Stange, und zumindest fast immer schoben sich die Sportlerinnen noch ein paar Zentimeter höher. Und das sogar zum Teil mit verbundenen Augen, wie Anna Battke erzählte: „wenn ich den Boden verlasse, schließe ich immer die Augen. Sonst krieg ich noch Angst.“ Aus luftiger Höhe zurück auf den Boden der Tatsachen holte Karin Augustin, Präsidentin des Landessportbundes, das sportlich-festlich gestimmte Publikum dann: Dort wartete schließlich schon Schirmherr und Ministerpräsident Kurt Beck zum Eröffnungstanz. Aber auch der Dank an die zahlreichen Partner kam in ihrer Rede zum Ausdruck: „Der rheinland-pfälzische Sport weiß nur allzu gut, dass er, neben staatlicher Unterstützung, ohne die Hilfe rheinland-pfälzischer Unternehmen nicht auskäme. Das gilt nicht allein für diesen Ball, es gilt umso mehr für den Spitzensport, für die Arbeit unserer Vereine, für viele wichtige Initiativen des Sports in gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung. Diese Hilfe ist unverzichtbar.“
Und dann war Feiern angesagt: „Einmal im Jahr die Leute treffen, die man aus alten Zeiten kennt“, das hatte sich Gewichtheber Ronny Weller vorgenommen. Für ihn und seinen Vater Günther Weller zählt der Landessportball seit Jahren zum Pflichtprogramm, „und immer wieder sieht man auch, dass der Sport in Rheinland-Pfalz mehr und mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt.“ Zum ersten Mal waren dagegen Nadine Hagmann und Lydia Neumann dabei. Die beiden Erstliga-Fußballerinnen vom SC 07 Bad Neuenahr hatten die Trikots gegen die Ballkleider getauscht: „Wir möchten Einblick in andere Sportarten gewinnen, andere Sportler kennenlernen und uns einfach überraschen lassen. Und natürlich auch tanzen.“Zum ersten Mal war auch Tim Kreis dabei: Der Elfjährige war nicht nur einer der jüngsten Ballbesucher, sondern gleichzeitig auch Teil des Programms. Zusammen mit seinen Vereinskollegen vom TSV Gau-Odernheim präsentierte er mit vielen anderen Vereinen im Foyer Bodenturnen. Ein paar Stars wollte er natürlich treffen – und vor allem seinen Aufritt perfekt über die Matte bringen: „Ich hoffe vor allem, dass ich die Spannung halten kann.“ Sportschütze und Paralympics-Teilnehmer Michael Brengmann wollte sich die Party ebenfalls nicht entgehen lassen: „Schließlich ist der Landessportball sehr wichtig, um dem Sport noch mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.“
Nicht bloß feiern wollte auch Anna Dogonadze. Die Trampolin-Olympiasiegerin arbeitete gleich an so vielen Ständen, dass sie „gar nicht mehr weiß, wo ich überall hin muss. Aber es macht mir Spaß auch was für mein Bundesland zu tun.“ Und auch die lädierte Bandscheibe machte das mit. „Der Arzt hat gesagt, dass ich wieder Gas geben darf.“ Schließlich stehen dieses Jahr noch Bundesliga-Wettkämpfe an.
Für alle Gäste gab‘s zum einen im Ballsaal Programm: Neben Hingst & Co. zeigten dort auch zahlreiche Leistungs-Turner aus Rheinland-Pfalz ihr Können, ebenso wie die eleganten Zweitliga-Tänzer des RW Casino Mainz. Viel Beifall erntete auch Trapezkünstler Christoph Haese: In vier Metern Höhe zeigte er spektakuläre Kunststücke. Aber auch im Foyer ging’s sportlich zu: Die Verlagsgruppe Rhein Main lud zu Wii-Sporteln, bei Mainz 05 und Lotto Rheinland-Pfalz drehte sich alles um Fußball, beim Golfclub Rheinhessen stand der weiße Ball im Vordergrund, und bei RPR1 gab‘s Schnupperbiathlon.
Ministerpräsident Kurt Beck ließ sich ein solches Vergnügen natürlich nicht entgehen. Schließlich, so betonte er auf der Bühne, „kenne ich keine Sportart, an der ich nicht interessiert bin.“ Das Land freue sich über die Erfolge der heimischen Sportler, und auch darüber, dass diese Vorbilder auch für die der Jugend als Anreiz dienten. „Spitzensport und Breitensport gehören wie Henne und Ei zusammen“, meinte er, und mischte sich unters sportelnde und feiernde Volk. Klar, dass sich auch der dreifache Fecht-Weltmeister Peter Joppich zwischen Tanzfläche und Foyer tummelte: Der Spitzensportler musste sich dabei allerdings ein wenig zurückhalten. Schließlich steht schon bald die Weltmeisterschaft als sein nächstes Highlight an: „Morgen früh geht’s um zehn Uhr mit dem Training los.“










